Bioschwein Austria
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Bei Bio-Mastställen voneinander lernen

Etwa 20 Bauern und Bäuerinnen sowie Vertreter der Stalleinrichtungsfirma Schauer-Agrotronic fuhren am 1. Februar zu drei Mastställen in Oberösterreich. Ziel dabei war es, verschiedene Möglichkeiten moderner Stallungen zu sehen, die auf die Bedürfnisse der Schweine Rücksicht nehmen. Alle Stallungen trennten die Funktionsbereiche in „Ruhen“ (Liegekiste bzw. Liegebereich), „Fressen“ (Fressplatz) und „Misten“ (Kotbereich). Die zwei Bio-Betriebe stellten außerdem noch eingestreute Bereiche zum Wühlen zur Verfügung.

Stall für Technik-Fans

Das neue Gebäude von Gregor S. für seine Bio-Mastschweine in Sipbachzell bestach durch die offene, lichte Bauweise. Es wurde als Außenklimastall für 450 Bio-Mastschweine im Selbstbau 2017 errichtet. Gregor füttert die Tiere über die Fütterungsanlage komplett trocken, Wasser wird nur am äußeren Ende der schmalen Buchten angeboten. Dorthin sollen die Schweine auch misten. Deswegen sind die Buchten in diesem Bereich mit Gittern voneinander getrennt. Der Boden ist um 30 cm erhöht und mit Spalten versehen, damit anfallende Flüssigkeiten abgeleitet werden. Darunter schiebt ein Schieber das Mist-Jauche-Wasser-Gemisch in einen Zwischenbehälter, von dem es in die Güllegrube gepumpt wird.

Der „Aktivitätsbereich“ zwischen Fressen und Koten möglichst trocken bleiben. Aus diesem Grund sind die Schwenktore dort mit Paneelen versehen. Der Boden ist planbefestigt und wird quer zum Gebäude mit dem Traktor entmistet. Nach jeder Entmistung rollt Gregor zwei Großballen auf, damit der Bereich wieder gut eingestreut ist. Täglich kommt noch etwas Strohhäcksel über eine Einstreuanlage dazu. Die rundum gut geschlossenen Liegekisten werden automatisiert mit Häckselstroh eingestreut. Dafür wurde eine spezielle Öffnung in den Deckeln der Liegekisten konstruiert. Gebaut hat die Kisten Gregor selbst. Die Schweine erkennen sie besonders im Winter als gemütlich warmen Liegebereich und halten sie das ganze Jahr über sehr sauber.

Verbessert werden muss noch die Raufutterfütterung. Derzeit wirft Gregor Bio-Heu während seines Kontrollgangs händisch in die Buchten. Das macht (zu) viel Arbeit und passt auch nicht zu den Spalten in diesem Bereich. Deswegen plant er, Luzerne und Rotklee ab der Ernte 2019 zu Pellets pressen lassen. Um sie dann über „Spender“ im Fütterungsbereich anzubieten. Dieser schöne Bio-Maststall bestätigte mir, dass die Raufutter-Fütterung gleich bei der Stallplanung mitgedacht werden muss!

Nach über 18 Monaten in Betrieb sind Gregor und seine Frau aber recht zufrieden mit ihrem Stall. Vor allem freuen sich die beiden über geringen Geruch und hohe Zustimmung ihrer Direktvermarktungs-KundInnen.

Tierwohl-Stall mit Oberflurschieber

Den (konventionellen) Stall von Daniel S. in Heiligenberg besichtigten wir aus zwei Gründen: Einerseits hat er seinen Außenklima-Stall mit „begehbaren Liegekisten“ ausgestattet, wie sie auch für Bio-Ställe in Frage kommen. Andererseits wird der planbefestigte Bewegungs- und Kotbereich – Einstreu ist hier nicht vorgesehen – mit einem Oberflurschieber entmistet. Dieser wird hier in Daniels Betrieb noch ein letztes Mal getestet, um Verletzungen der Tiere möglichst auszuschließen.

Der Schieber ist so programmiert, dass er sich langsam an die Buchtentrenngitter „herantastet“. Im Abstand von 70 und 30 Zentimetern jeweils vor einem Gitter sind Magneten im Boden gesetzt, die dem Schieber exakt vorgeben, wo er stoppen muss. Damit haben die neugierigen Schweine Zeit genug, sich aus der „Gefahrenzone“ des Schiebers zu begeben und nicht eingezwickt zu werden. Ein weiterer Vorteil: Die Entmistung wird kostengünstiger als wenn an jedem Gitter eine Steuerungseinheit angebracht wäre.

In unserem Beisein fanden die Mastschweine den Schieber extrem interessant: Beim langsamen Durchfahren folgten ihm immer eine Traube von neugierigen Tieren. Nach Daniels Angaben verletzte sich allerdings erst ein einziges am Fuß, wobei er nicht sagen konnte, ob das durch den Schieber verursacht wurde. Womöglich wäre diese Technik – sobald genug getestet wurde – für wenig eingestreute Auslaufbereiche interessant?

Wie es Bio-Schweine lieben

Am letzten Betrieb von Roman und Alison G. in Rainbach waren sich dann die Exkursions-TeilnehmerInnen einig: So sieht ein schöner Bio-Schweinestall aus! Der Liegebereich der etwa 120 Mastschweine wurde in ein Altgebäude mit historischem Tonnengewölbe hineingeplant. Verschiebbare Rückwände erlauben es, dass je nach Alter und Gruppengröße die Liegefläche so klein gehalten werden kann, dass die Schweine zum Koten und Harnen auf jeden Fall hinausgehen. Eingestreut wird dieser Bereich mit Langstroh über kleine Abwurfschächte vom darüber liegenden Strohlager.

Von dort aus wird mit Hilfe einer an das Altgebäude angesetzten Strohbühne auch der nähere Teil der in zwei Bereiche getrennte Auslauf eingestreut. „Diese Strohbühne war die beste Idee des ganzen Stalls“, freute sich Roman über das rasche und einfache Einstreuen. Entmistet wird der dick eingestreute und überdachte Teil des Auslaufs ebenso wie jener ohne Dach mit Traktor und Frontschaufel. Damit das schnell geht und nichts beschädigt werden kann, sind alle Einrichtungen wie Halterungen für die Schwenkgitter, Tränken, Raufen etc. auf Stufen gesetzt. Die Trockenfutter-Automaten, die über Futterketten befüllt werden, sind gleich neben dem Stallgebäude auf einer erhöhten Plattform ebenfalls in Sicherheit.

Funktionsbereiche trennen!

Diese Fahrt zeigte die Vielfalt an Lösungen, wie Bio-Mastställe trotz Einstreu und Entmistung arbeitssparend gestaltet werden können. Wichtig ist es jedenfalls, den Tieren verschiedene Stallbereiche anzubieten. Bei einer (für die Tiere verständlichen) Aufteilung in „Funktionsbereiche“ bleiben Liegeflächen dann sehr sauber – hier wird eher der Staub zum Problem. Dort, wo Tränken, Gitter und womöglich Schweineduschen angebracht werden, ist es für die Schweine logisch, ihr „Geschäft“ zu verrichten. Wenn dort in rascher, einfacher Art entmistet werden kann, sollte ein Bio-Maststall mit wenig Arbeit zu betreiben sein.

Nicht vergessen darf man allerdings schon bei der Planung auf das täglich vorzulegende Raufutter! Raufen sind nur für Heu sinnvoll, Silage oder Frischfutter sollte auf – wie aus Rinderställen bekannten – Futtertischen angeboten werden. Praxisbeispiele dazu sind noch selten, Fotos dazu können aber gerne bei mir angefragt werden!

Sonja Wlcek, Beraterin