Bioschwein Austria
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Optimistische Schweine mit Stroh

Vor wenigen Jahren berichteten britische Forscherinnen interessante Details über die Gefühlslage von Schweinen. Die Tiere verhielten sich in Versuchen deutlich optimistischer, wenn sie in angereicherter Umgebung lebten, und pessimistisch in kahlen Buchten.

Halbleer oder halbvoll?

Es gibt Menschen, die deuten ein zur Hälfte gefülltes Wasserglas als „halbleer“ und es gibt solche, die es als „halbvoll“ bezeichnen. Oder je nachdem, ob man sich selbst im Moment eher positiv oder negativ eingestellt fühlt, sieht man dieses Glas manchmal eher leer und ein andermal eher voll. Der sogenannte affektive Zustand beeinflusst also die Wahrnehmung. Das weiß man beim Menschen.

Können Schweine optimistisch sein?

Expertinnen – ausschließlich Frauen – der englischen Universität Newcastle wollten nun wissen, ob auch unsere Schweine affektive Zustände besitzen. Aber wie sollten sie das Gefühlsleben dieser Tiere beurteilen? Dazu trainierten sie zehn junge Schweine in einer speziellen Bucht auf zwei akustische Signale. Wenn ein Glockenton ertönte, erhielten jene Schweine, die zu einer Luke kamen, dort Äpfel. Ertönte dagegen ein Klickgeräusch und die Schweine liefen zur Luke, wurden sie mit einer raschelnden Plastiktüte erschreckt.

Was tun bei neuem Geräusch?

Alle Schweine erlernten innerhalb weniger Wochen, diese beiden Töne eindeutig zu unterscheiden, und wurden nun getestet. Sie bekamen dazu einen Hupton vorgespielt, den sie vorher noch nie gehört hatten. Die Forscherinnen beobachteten dabei, ob die Schweine nun zur Luke liefen („optimistisch“ – sie erwarten dort Belohnung) oder nicht („pessimistisch“ – sie erwarten Bestrafung).

Leben mit und ohne Stroh

Fünf dieser Tiere wurden während der ersten Wochen in einem Stall ohne Einstreu gehalten, der „nur“ den Mindestanforderungen zur EU-Schweinehaltung genügte (Bucht B wie „barren“ = kahl, karg). Die anderen fünf Schweine lebten in einer größeren, „angereicherten“ Bucht mit täglich frischem Stroh, Ketten, Stöcken und Karton als Beschäftigungsmaterial (Bucht E wie „enriched“ = angereichert). Nach den ersten Tests mit dem neuen Hupton wurden die beiden Gruppen für eine Woche in der jeweils anderen Bucht untergebracht und von dort heraus getestet. Nach sieben Tagen kamen sie wieder in ihre ursprüngliche Umgebung und bekamen wiederum die drei Töne zu hören. Es gab also fünf Schweine der Gruppe „BEB“ (karg-angereichert-karg) und fünf Tiere der Gruppe „EBE“.

Beschäftigungsmaterial macht Schweine optimistisch!

Und nun kommt der Clou! Jene Schweine, die während des Tages in einer angereicherten Umgebung lebten, reagierten auf den neuen Hupton deutlich positiver als jene Tiere aus der kahlen Bucht! Sie sahen also das „Glas halbvoll“ statt „halbleer“! Kamen sie allerdings eine Woche lang in die kahle Bucht, änderte sich ihre Stimmung und sie wurden pessimistisch: Sie liefen beim neuen Ton deutlich seltener zur Luke als vorher („EBE“). Jene Schweine dagegen, die von der kahlen Bucht in die angereicherte kamen („BEB“), wurden im Laufe der Woche deutlich optimistischer. Kamen sie dann wieder in ihre ursprüngliche, wenig attraktive Bucht zurück, liefen sie wiederum seltener zur Luke, um nach Äpfeln Ausschau zu halten.

Stroh fürs Wohlergehen

Die Forscherinnen zeigten mit ihrem Experiment deutlich, dass die Qualität der Haltung den affektiven Zustand der Schweine verändert. Umweltanreicherung – Stroh und Beschäftigungsmaterial wie in der Bioschweinehaltung üblich – verbessert also das Wohlergehen der Schweine!

Ergebnis der Studie

Originalartikel (in Englisch) erhältlich über ScienceDirekt: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0168159112000688