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Was tun bei Rotlauf

Rotlauf ist sehr vielen Schweinehaltern bekannt. Immer wieder kommt diese durch Bakterien (Erysipelothrix rhusiopathiae) hervorgerufene Erkrankung im Herbst vor. Einzelne Schweine sondern sich ab, liegen viel, graben sich in der Einstreu ein und fressen nicht. Auf der Haut treten Veränderungen zutage, die etwa briefmarkengroß sind, deutlich von der gesunden Haut abgegrenzt, dunkelrot gefärbt und erhaben sind. Man nennt diese Hautveränderungen „Backsteinblattern“. Neben der Hautform kommen Veränderungen in den Gelenken sowie im Herzbeutel vor.

Warum in dieser Jahreszeit?

Im November ist es feucht-kalt und die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind groß. Dadurch werden manche Schweine anfällig und stecken sich an. Denn Rotlaufbakterien sind in der Natur weit verbreitet. Sie werden in Dung, Jauche, Wasser oder Erde gefunden. Auch bei gesunden Schweinen können sie in Mandeln oder Darm vorkommen. Über Maul oder Augenschleimhäute stecken sich empfängliche Schweine an, die nach 3-5 Tagen krank werden. Noch bevor die typischen Backsteinblattern einen Hinweis auf Rotlauf geben, fiebern die Tiere auf 40-42° C und werden apathisch. Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken beim Mäster läuten!
Welche Tiere erkranken, hängt stark vom Grad der Durchseuchung, Ansteckungsfähigkeit des Erregers sowie vom Einzeltier ab. Selten erkranken in einer Bucht alle Tiere, meist werden nur einzelne Tiere krank.

Was ist das Problem bei Rotlauf?

Generell darf für fieberhafte Tiere keine Schlachterlaubnis erteilt werden. Wer die ersten Anzeichen von Rotlauf bei seinen schlachtreifen Schweinen übersieht, liefert womöglich frisch erkrankte Tiere zum Schlachthof. Wenn am Morgen der Schlachtung erste Backsteinblattern erkennbar werden oder die Schweine fiebern, muss sie der Lebendbeschau-Tierarzt als untauglich einstufen. Lebende Tiere dürfen einen Schlachthof nicht mehr verlassen, müssen also entsorgt werden und es gibt kein Geld für den Mäster.

Behandlung der Mastschweine einfach, Schutzimpfung für Sauen

Nach wie vor gelingt die Behandlung von Rotlauf mit einfachen Penicillin-Präparaten und fiebersenkenden Mitteln. Eine dreitägige Behandlung führt zu klinischer Ausheilung. Die Backsteinblattern verschwinden und das Allgemeinbefinden bessert sich innerhalb 24 Stunden.
Da die Rotlauf-Behandlung einfach ist, hat sich eine vorbeugende Schutzimpfung bei Mastschweinen nicht durchgesetzt. Zuchtsauen hingegen werden häufig mittels Kombinationsimpfstoff gegen Parvo und Rotlauf immunisiert. Sollen Ferkel schutzgeimpft werden, darf dies nicht vor der 10. Lebenswoche stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt verhindern die mütterlichen Antikörper nämlich die Ausbildung einer aktiven Immunität.

Rotlauf bei Menschen

Eine Übertragung von Schweinerotlauf auf Menschen kommt bei Landwirten, Tierärzten und Fleischhauern immer wieder vor. Kleine Verletzungen der Haut stellen Eintrittspforten für den Erreger dar. An der Hand oder den Fingern bilden sich scharf begrenzte Rötungen, die schmerzhaft oder juckend sein können. Von diesem Erysipeloid ist die Streptokokkeninfektion „Erysipel“ zu unterscheiden, die häufig ebenfalls als Rotlauf bezeichnet wird. Im Unterschied zum Schweinerotlauf tritt diese Hauterkrankung großflächiger auf und geht häufig mit Störungen des Allgemeinbefindens (Fieber, Schmerzen) einher.

Dr. Werner Hagmüller, Dr. Sonja Wlcek, Foto von Dr. Elisabeth Stöger